Lo spigolo nascosto

Start: Parkplatz SEL E-Werk S. Massenza (265m)

Ziel: Kletterroute "lo spigolo nascosto"

Ein verregnetes Wochenende im September, für Südtirol sind heftige Regenschauer angesagt. Zeit wiedereinmal einen Blick gen Süden zu werfen. Am Gardasee sieht das Wetter etwas besser aus. Bewölkt aber zumindest regnet es nicht. Also entscheiden wir uns früh am Morgen aufzubrechen, unten angekommen entscheiden wir dann aufgrund der Lage vor Ort was machbar ist. Während wir von Trient durch das Sarcatal fahren, merken wir, dass es auch hier über Nacht ganz ordentlich geregnet hat, deshalb entscheiden wir uns erstmal ausgiebig zu frühstücken. Nach dem Frühstück ist der nasse Fels etwas aufgetrocknet und wir entscheiden uns für die Route "lo spigolo nascosto" im Gebiet "due laghi". Man parkt das Auto am besten auf dem großen Parkplatz nach dem Kreisverkehr direkt vor dem SEL-Haus. Für den Zustieg folgt man zunächst der Straße richtung Dorf, bis auf der linken Seite eine Rampe mit einem Eisengeländer hochgeht. Diesem Weg folgt man nun ca. 15 Minuten und zweigt dann unter einer Wand nach rechts ab, Achtung nicht die erste Abzweigung nach rechts nehmen, sondern die zweite. Zunächst kommt man an den Einstiegen zweier anderer Routen vorbei bevor man dann den Einstieg zu dieser Route erreicht, der mit einer kleinen Inschrift "lo spigolo nascosto" versehen ist. Die Route wurde erst 2015 von Heinz Grill und Florian Kluckner eröffnet. Seitdem sie jedoch in diversen Büchern und Online-Portalen veröffentlicht wurde, erfreut sie sich großer Beliebtheit. Aufgrund des großen Andrangs lässt sich die Route bereits von der Straße aus als eine Linie von sauberem grau-weißen Fels inmitten der bewaldeten Hängen erkennen. Heute sind wir jedoch aufgrund des nicht ganz optimalen Wetters allein. Es handelt sich um eine alpine Route der Schwierigkeit IV mit ein paar Bohrhaken an den schwierigsten Stellen. Die Route lässt sich außerdem sehr gut über Sanduhren absichern, die zum Teil bereits mit eingefädelten Schlingen vorbesetzt sind um die Orientierung zu erleichtern. Nach einer kurzen Trinkpause seilen wir uns an und steigen ein. Von hier an ist es pure Genußkletterei, eigentlich ohne Schwierigkeiten, in durch und durch solidem Fels. Die Stände können meist an Bäumen oder großen, starken Sanduhren errichtet werden. Die Route verläuft auf einer schrägen Platte einer Kante entlang. Interessant dabei ist, dass einen der Schwindel nicht dann überkommt, wenn man nach unten blickt, sondern dann, wenn man nach rechts schaut, weil dort die Wand steil abfällt. In der letzten Seillänge kommt eine ca. 5 Meter hohe Wand, welche nicht sonderlich viele Griffe aufweist und auf Reibung begangen werden muss. Einige Kletterer scheinen die Wand nach links durch das Gestrüpp umgangen zu haben, das kann man an den Spuren erkennen. Im oberen Bereich auf der rechten Seite befindet sich jedoch ein Bohrhaken, sodass die gedachte Linie mit Sicherheit rechts verläuft. Diese lässt sich auch wunderbar klettern, man darf nur nicht verzagen und muss nach rechts sehr nah an die Kante gehen, dann erreicht man mit ein bis zwei kräftigen Zügen den Bohrhaken und den Ausstieg. Die Route ist in zwei bis drei Stunden gut schaffbar. Nach kurzem Genuss des Ausblicks machen wir uns an den Abstieg. Dieser führt zunächst bergauf, dann nach rechts durch einen Felsdurchschlupf und anschließend bergab. Folgt man dem Pfad erreicht man nach einer halben Stunde das Dorf und über die Straße dann wieder den Parkplatz. Eine tolle Tour aus purer Genußkletterei.

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